Wenn Sie schon einmal an einer Ventanita (einem Kaffee-Fenster) in Miami vorbeigegangen sind, haben Sie vermutlich Menschen gesehen, die sich dort versammeln und winzige Plastikbecher mit einer dunklen, unglaublich kräftigen Flüssigkeit teilen, gekrönt von einem hellbraunen Schaum. Das ist nicht einfach Kaffee – das ist Colada.
Colada-Kaffee ist das Herzstück der kubanischen sozialen Kaffeekultur. Er ist hochkonzentrierter Energieträger, der ausdrücklich zum Teilen gedacht ist. Traditionell wird er in einer Moka-Kanne auf dem Herd zubereitet, doch das Wesen einer guten Colada liegt in der Technik, nicht allein im Gerät. Ob Sie nun eine klassische Herdkanne oder eine moderne tragbare Espressomaschine verwenden – das Ziel ist immer dasselbe: ein reichhaltiger, süßer und kraftvoller Espresso, der Körper und Geist weckt.
In diesem Leitfaden erfahren Sie, was Colada so besonders macht, welche Wissenschaft hinter dem berühmten Zuckerschaum (Espuma) steckt und wie Sie diesen kubanischen Klassiker Schritt für Schritt zu Hause oder bei Ihrem nächsten Outdoor-Abenteuer zubereiten können.

Was genau ist Colada Coffee?
Im Kern ist Colada Coffee ein großformatiger kubanischer Espresso, der zum Teilen bestimmt ist.
Im Gegensatz zu Latte oder Cappuccino enthält eine Colada keine Milch. Sie besteht aus vier bis sechs Shots kubanisch zubereiteten Espressos, der direkt auf Zucker gebrüht wird (oder unmittelbar danach damit vermischt wird), um einen süßen, schaumigen Belag zu erzeugen, der als Espuma oder Espumita bekannt ist.
Traditionell wird Colada in einem großen Styroporbecher serviert, begleitet von mehreren sehr kleinen, fingerhutgroßen Plastikbechern (Demitassen). Der Kaffee wird portionsweise in diese kleinen Becher gegossen und mit Freunden, Familie oder Kolleginnen und Kollegen geteilt.
Hinweis: Eine Colada ist nicht dafür gedacht, von einer einzelnen Person getrunken zu werden – es sei denn, Sie verfügen über eine außergewöhnlich hohe Koffeintoleranz. Es handelt sich um ein soziales Getränk, das Gespräche und Gemeinschaft fördern soll.
Die geheime Wissenschaft: Was ist „Espuma“?
Das prägende Merkmal einer Colada – und das, was sie von gesüßtem Espresso unterscheidet – ist die Espuma.
Viele Anfänger verwechseln diese hellbraune Schicht mit der Crema eines italienischen Espressos. Während italienische Crema jedoch durch CO₂ und emulgierte Öle unter hohem Druck entsteht, basiert Espuma auf Hydrolyse und Lufteintrag.
So funktioniert es
Wenn Sie die ersten Tropfen des konzentrierten Kaffees kräftig mit Zucker aufschlagen, lösen Sie die Zuckerkristalle zu einer dicken Paste auf. Durch das intensive Schlagen wird Luft in diese viskose Zucker-Kaffee-Mischung eingebracht und darin eingeschlossen.
Wird anschließend der restliche Kaffee darübergegossen, steigt diese aufgeschlagene Zuckermasse nach oben und bildet eine Art „künstliche Crema“. Dieser süße Schaumdeckel sieht nicht nur ansprechend aus, sondern sorgt auch dafür, dass jeder Schluck gleichmäßig gesüßt ist – ganz ohne das körnige Mundgefühl von ungelöstem Zucker.
Colada im Vergleich zu anderen kubanischen Kaffees
Die kubanische Kaffeekultur verfügt über eine eigene Terminologie. Um wie ein Profi zu bestellen (oder zu brühen), ist es wichtig zu wissen, wie sich Colada von verwandten Getränken unterscheidet.
| Kaffeeart | Basis | Milch? | Zucker? | Servierweise |
| Colada | 4–6 Espressoshots | Nein | Ja (Espuma) | Großer Becher + kleine Becher zum Teilen |
| Cafecito | 1 Espressoshot | Nein | Ja (Espuma) | Einzelportion in kleiner Keramiktasse |
| Cortadito | Espresso | Ja (Gedämpft) | Ja | Verhältnis 1:1 von Milch zu Kaffee |
| Café con Leche | Espresso | Ja (Gedämpft) | Optional | Große Tasse (typisches Frühstücksgetränk) |
Unverzichtbare Zutaten & Ausrüstung
Sie benötigen keine professionelle Siebträgermaschine, um eine hervorragende Colada zuzubereiten – wohl aber die richtigen Zutaten und zuverlässiges Equipment.
1. Die Kaffeebohnen
Traditionell wird eine dunkle Röstung verwendet, häufig als „Cuban Style“ oder „Espresso Roast“ gekennzeichnet. Diese Bohnen zeichnen sich durch eine geringe Säure und einen vollen Körper aus und harmonieren perfekt mit der intensiven Süße des Zuckers.
Frische ist entscheidend: Auch mit Zucker schmeckt alter Kaffee flach. Um das bestmögliche Zusammenspiel der Aromen zu erzielen, sollten Sie Ihre Kaffeebohnen stets korrekt lagern, damit die aromatischen Öle erhalten bleiben.
Der Mahlgrad
Der Mahlgrad ist nicht verhandelbar. Sie benötigen einen feinen Mahlgrad, vergleichbar mit Tafelsalz.
- Ist der Mahlgrad zu grob, fließt das Wasser zu schnell durch – der Kaffee wird schwach und sauer.
- Ist er zu fein, kann das Brühgerät verstopfen.
- Tipp: Eine präzise elektrische Kaffeemühle sorgt für eine gleichmäßige Partikelgröße – entscheidend für eine gleichmäßige Extraktion.
Der Zucker
Standard ist weißer Kristallzucker, da er den stabilsten und hellsten Schaum erzeugt. Alternativ können unraffinierter brauner Zucker oder Demerara-Zucker verwendet werden, um ein tieferes, melasseartiges Aroma zu erzielen – allerdings ist der Schaum dabei meist weniger stabil.
Das Brühgerät
- Klassisch: Eine Moka-Kanne (Herdkocher).
- Modern: Eine tragbare Espressomaschine. Während Puristen auf den Herdkocher schwören, bietet eine tragbare elektrische Espressomaschine sogar einen Vorteil: konstanter Druck (ca. 20 Bar) erzeugt eine natürliche Crema, die in Kombination mit der Zucker-Aufschlagtechnik zu einer noch reichhaltigeren Espuma führt.

Schritt-für-Schritt-Rezept: So bereiten Sie Colada Coffee zu
Folgen Sie dieser Anleitung, um die Kunst der perfekten Zuckercreme zu meistern.
Vorbereitungszeit: 5 Minuten | Brühzeit: 5 Minuten | Portionen: 4–6 kleine Shots
Zutaten
- Gemahlener Kaffee (feiner Mahlgrad, dunkle Röstung)
- Wasser (gefiltert)
- Zucker (ca. 1/4 Tasse, nach Geschmack anpassen)
Zubereitung
Schritt 1: Brühgerät vorbereiten
Füllen Sie die untere Kammer Ihrer Moka-Kanne bzw. den Wassertank Ihrer tragbaren Espressomaschine mit Wasser. Geben Sie den gemahlenen Kaffee in den Filtereinsatz und streichen Sie ihn glatt. Drücken Sie das Kaffeemehl bei einer Moka-Kanne nicht zu fest an, achten Sie jedoch darauf, dass es gleichmäßig und kompakt liegt.
Schritt 2: Zuckerbasis herstellen (entscheidender Schritt)
Geben Sie den Zucker in ein separates Metallkännchen oder in eine große, stabile Tasse. Hier beginnt der entscheidende Teil des Prozesses.
Schritt 3: Brühvorgang starten & die „ersten Tropfen“ auffangen
Starten Sie den Brühvorgang.
- Der kritische Moment: Beobachten Sie den Kaffeeauslauf genau. Sobald die ersten dicken, dunkelbraunen Tropfen erscheinen, geben Sie etwa einen Teelöffel dieser Flüssigkeit zum Zucker.
- Hinweis: Diese ersten Tropfen sind der am stärksten konzentrierte und aromatischste Teil der Extraktion.
Schritt 4: Espuma aufschlagen
Während der restliche Kaffee weiter durchläuft, schlagen Sie die Zucker-Kaffee-Mischung mit einem Löffel oder kleinen Schneebesen kräftig auf.
Technik: Ziel ist eine helle, dicke Paste. Schlagen Sie die Mischung etwa 1–2 Minuten schnell auf. Die Konsistenz sollte an Erdnussbutter oder helles Karamell erinnern. Ist die Masse zu trocken, fügen Sie einen weiteren Tropfen Kaffee hinzu. Ist sie zu flüssig, wurde zu viel Kaffee verwendet.
Schritt 5: Zusammenführen und vermischen
Sobald der gesamte Kaffee durchgelaufen ist, gießen Sie die heiße Flüssigkeit langsam über die aufgeschlagene Zuckerpaste. Rühren Sie vorsichtig um. Die Zuckerpaste steigt dabei nach oben und bildet die charakteristische, dicke, hellbraune Schaumschicht – die berühmte Espuma.
Schritt 6: Sofort servieren
Gießen Sie die Colada vorsichtig in kleine Demitasse-Tassen. Der Schaum verteilt sich dabei gleichmäßig, sodass jede Portion eine süße „Haube“ erhält.
Profi-Tipps für die perfekte Colada
- Zucker niemals erhitzen: Geben Sie Zucker niemals direkt in die Wasserkammer oder den Kaffeefilter. Er würde verbrennen, das Gerät verstopfen und den Geschmack ruinieren. Zucker gehört ausschließlich in ein externes Gefäß.
- Ausrüstung sauber halten: Kaffeeöle lagern sich mit der Zeit ab und werden ranzig. Eine verschmutzte Mühle oder ein verschmutztes Brühgerät verleiht dem Kaffee einen bitteren, metallischen Beigeschmack, den selbst Zucker nicht überdecken kann. Reinigen Sie Ihre Kaffeemühle und Ihr Brühgerät regelmäßig.
- Zuckerregel: Als Faustregel gilt etwa 1 Esslöffel Zucker pro Portion Kaffee. Passen Sie die Menge jedoch gerne Ihrem persönlichen Geschmack an.
Das authentische kubanische Kaffeeerlebnis überall genießen
Colada Coffee ist mehr als nur ein Koffeinkick – er ist ein Ritual der Zubereitung und des Teilens. Indem Sie die Espuma beherrschen, verwandeln Sie einfache, dunkel geröstete Bohnen in ein samtiges, süßes Erlebnis, das mit jedem Café mithalten kann.
Ob in Ihrer Küche oder beim Camping mit einer tragbaren Espressomaschine: Eine Colada zuzubereiten ist der perfekte Weg, Menschen zusammenzubringen. Also: Zucker bereitstellen, Bohnen frisch mahlen und den kräftigen Geschmack Kubas genießen.
Häufig gestellte Fragen zu Colada Coffee
F1: Ist Colada Coffee stärker als normaler Espresso?
Ja und nein. Die Extraktion selbst entspricht einem klassischen Espresso. Da jedoch häufig Robusta-lastige Mischungen (typisch für kubanische Marken) verwendet werden und der Kaffee schnell konsumiert wird, kann der Koffeinkick deutlich intensiver wirken. Ein bewusster Umgang mit der täglichen Koffeinmenge ist daher besonders wichtig..
F2: Kann ich Colada ohne Moka-Kanne zubereiten?
Absolut. Sie können jede Methode verwenden, die einen starken Kaffeekonzentrat liefert – einschließlich einer tragbaren elektrischen Espressomaschine. Entscheidend ist lediglich, dass der Kaffee kräftig genug ist, um den Zucker aufzuschlagen.
F3: Warum hat sich kein Schaum gebildet?
Dies hat meist zwei Ursachen:
- Es wurde zu viel Flüssigkeit zum Zucker gegeben (die Mischung darf nicht wässrig sein).
- Die Masse wurde nicht lange genug aufgeschlagen – sie muss vor dem Hinzufügen des restlichen Kaffees ausreichend Luft aufnehmen.
